Manche Fragen sind so harmlos, dass man sie gerne beantwortet. Doch einige lassen Dich verstummen...
Von Regine Rauin | Wenn Räume Geschichten erzählen
Ich mag Fragen.
Nicht die Sorte:
„Wie geht es Dir?“
auf die man automatisch „gut“ sagt.
Ich meine die anderen.
Die Fragen, bei denen man kurz aufhört zu reden.
Die, bei denen man merkt:
Mist. Darüber habe ich noch nie nachgedacht.
Genau solche Fragen habe ich früher bei meinen Lesungen aus Wie wäre es mal mit einem Schaf? geliebt.
Denn irgendwann passierte immer dasselbe: Ich stellte eine Frage. Und plötzlich wurde es still.
Sehr still...
Stell Dir vor, Du bist ein Fremder.
Du kennst Dich selbst nicht.
Du kommst in Deine Wohnung.
Du weißt nichts über Deine Geschichte.
Du weißt nicht, warum Du hier wohnst.
Du weißt nicht, was Dir wichtig ist.
Du weißt nur, was Du siehst.
Und jetzt schau Dich um.
Nicht um zu bewerten.
Nicht um aufzuräumen.
Nicht um neue Kissen zu kaufen.
Nur um Dir selbst Fragen zu stellen.
1. Was würde ich über den Menschen vermuten, der hier wohnt?
Und zwar wirklich.
Nicht:
„Er hat einen schönen Geschmack.“
Sondern:
Was für ein Mensch könnte das sein?
2. Was scheint diesem Menschen besonders wichtig zu sein?
Was bekommt Platz?
Was wird sichtbar gemacht?
Was darf mitten im Raum stehen?
3. Was scheint dieser Mensch lieber nicht sehen zu wollen?
Ahnst Du Dinge, die verschwinden mussten?
Oder siehst Ecken, die man möglichst selten betritt?
4. Wo hält sich dieser Mensch am liebsten auf?
Und warum gerade dort?
Ist es der bequemste Ort?
Der ruhigste?
Der hellste?
Der einzige Ort, an dem niemand etwas von ihm will?
5. Gibt es in dieser Wohnung einen Ort, an dem man einfach nichts tun darf?
Kein Arbeiten.
Kein Aufräumen.
Kein Organisieren.
Kein „Ich könnte eigentlich noch schnell …“.
Nur sitzen.
6. Wie leicht könnten hier spontan Menschen auftauchen?
Könnte jemand heute Abend sagen:
„Ich bin gerade in der Gegend. Hast Du Lust auf ein Glas Wein?“
Und würde dieser Mensch denken:
„Klar!“
Oder:
„Um Gottes willen. Ich muss erst drei Stunden aufräumen.“
7. Wie viel Platz nimmt Arbeit in dieser Wohnung ein?
Nicht nur der Schreibtisch.
Auch gedanklich.
Gibt es überhaupt einen Ort, an dem Arbeit wirklich endet?
8. Wie viel Platz nimmt die Vergangenheit ein?
Fotos.
Erbstücke.
Geschenke.
Möbel.
Kisten.
Dinge aus alten Beziehungen.
Dinge aus alten Lebensphasen.
Wie viel davon erzählt:
„Das war einmal wichtig.“
9. Und wie viel Platz bekommt die Zukunft?
Das ist eine unangenehme Frage.
Denn Zukunft braucht manchmal Platz.
Und Platz entsteht nicht immer durch neue Möbel.
Manchmal entsteht er dadurch, dass etwas Altes gehen darf.
10. Wie viele Minuten am Tag macht dieser Mensch tatsächlich etwas, das ihm Freude macht?
Nicht:
„Ich schaue abends eine Serie.“
Wenn Du das liebst: wunderbar.
Aber ehrlich.
Wie viel Zeit gehört tatsächlich ihm allein?
11. Wie oft sprecht er wirklich mit den Menschen, mit denen er zusammenlebt?
Nicht:
„Was brauchen wir aus dem Supermarkt?“
Nicht:
„Wer bringt den Müll raus?“
Ich meine:
wirklich miteinander reden.
12. Wann hat dieser Mensch zuletzt jemanden spontan eingeladen?
Nicht zum Geburtstag.
Nicht sechs Wochen vorher geplant.
Einfach:
„Komm vorbei.“
Nun zu DIR:
13. Wenn ich heute zehn Jahre in die Zukunft schauen könnte - würde ich diese Wohnung noch wählen?
Nicht weil Du sie behalten musst.
Sondern weil diese Frage sichtbar macht:
Passt dieser Ort zu dem Leben, das ich mir vorstelle?
14. Wenn ich morgen ausziehen müsste: Was würde ich unbedingt mitnehmen?
Und was würde ich erstaunlicherweise zurücklassen? Du kannst das natürlich noch etwas dramatisieren: wenn hier ein Feuer ausbrechen würde: was würde ich mir noch schnell greifen?
15. Welche Dinge würde ich heute nicht mehr kaufen?
Und warum stehen sie trotzdem noch hier?
16. Welche Ecke meiner Wohnung nervt mich seit Jahren?
Und warum habe ich sie noch nicht verändert?
Das ist eine besonders schöne Frage.
Denn manchmal lautet die Antwort:
„Weil ich keine Zeit hatte.“
Und manchmal:
„Weil ich nicht wusste, was ich stattdessen will.“
Und manchmal:
„Weil ich mich nicht entscheiden konnte.“
17. Was würde ich verändern, wenn niemand anderes es sehen müsste?
Keine Gäste.
Keine Instagram-Fotos.
Keine Schwiegermutter.
Keine Immobilienbewertung.
Nur Du.
Was würde sich verändern?
18. Wo fühle ich mich in meiner Wohnung am meisten wie ich selbst?
Und wo am wenigsten?
Das sind möglicherweise zwei sehr interessante Orte.
19. Wenn Deine Wohnung sprechen könnte: Worüber würde sie sich bei Dir beschweren?
Jetzt wird es lustig.
Vielleicht:
„Kannst Du bitte endlich den Karton wegbringen?“
Vielleicht:
„Ich bin ein Esstisch. Keine Ablagefläche für Dein gesamtes ungeklärtes Leben.“
Vielleicht:
„Ich würde ja gerne gemütlich sein, aber Du stellst ständig Deinen Laptop auf mich.“
Und vielleicht würde die Wohnung irgendwann etwas sagen, das gar nicht mehr so lustig ist.
20. Und jetzt die letzte Frage:
Wenn meine Wohnung heute ehrlich antworten könnte - welche Frage würde ich ihr gerne stellen?
Nicht die Frage, deren Antwort angenehm wäre.
Die andere.
Die, bei der Du schon beim Lesen denkst:
„Oh nein.“
Genau die.
Denn vielleicht ist das der Punkt.
Wir suchen oft nach Antworten. Dabei wissen wir erstaunlich häufig schon ziemlich genau, welche Frage wir stellen müssten.
Wir wollen nur nicht unbedingt hören, was danach kommt.
Das gilt für Wohnungen genauso wie für Beziehungen, Arbeit, Freundschaften und unser eigenes Leben.
Und deshalb liebe ich WohnungsReadings so.
Nicht weil eine Wohnung magische Antworten versteckt. Sondern weil sie voller Hinweise ist. Du musst nur lernen, sie wahrzunehmen. Und irgendwie bist Du dann der Kommissar in Deinem eigenen Krimi und die Lösung ist gut versteckt...
in dem, das überhaupt nicht auffällt, weil Du es schon seit zehn Jahren jeden Tag siehst.
Du kannst diese Fragen übrigens ganz alleine ausprobieren.
Nimm Dir ein bisschen Zeit.
Keinen Staubsauger.
Keine Einkaufsliste.
Kein „Ich müsste eigentlich“.
Geh einfach durch Deine Wohnung.
Und beantworte die Fragen ehrlich.
Nicht schön.
Nicht vernünftig.
Ehrlich.
Wenn eine Frage nichts mit Dir macht: weiter.
Wenn eine Frage Dich ärgert: interessant.
Wenn Du bei einer Frage sofort eine Antwort hast: ebenfalls interessant.
Und wenn Du bei einer Frage plötzlich sehr lange still bist:
Bleib dort.
Vielleicht ist genau dort etwas zu finden.
Und wenn Du an einer ganz bestimmten Stelle stecken bleibst …
Dann ist genau das möglicherweise eine Frage für ein 27SECONDS Reading.
Du hast eine konkrete Frage. Du zeigst mir einen kleinen Ausschnitt aus Deinem Zuhause. Und ich schaue hin.
Nicht um Dir zu erklären, was Dein Möbelstück „bedeutet“.
Sondern um gemeinsam mit Dir herauszufinden, welche Antwort dieser Raum für Dich bereit hält.
Und wenn Du erst einmal selbst ausprobieren möchtest, was passiert, wenn Du Deiner Wohnung wirklich zuhörst, kannst Du mit WHISPERING WALLS beginnen.
Vielleicht bekommst Du Antworten. Vielleicht nur weitere Fragen. Sei Dein eigener Detektiv.
Auf welche Frage wünscht Du Dir eine Antwort?
Ich bin Regine Rauin alias Mystic Maveress.
Ich lese Räume wie andere Menschen Tarotkarten lesen.
→ WOHNUNGsREADING: Was Dein Zuhause wirklich über Dich erzählt
🗝️ Denn viele Antworten wohnen bereits bei Dir.



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