Warum ein guter Partner kein Trostpreis sein muss

Von Regine Rauin | Wenn Räume Geschichten erzählen

 

Ich hatte lange eine ziemlich interessante Vorstellung davon, wie der „richtige“ Mann für mich aussehen würde.

Nicht äußerlich.

Innerlich.

Ich hatte offenbar abgespeichert:

Der Mann, der mir wirklich guttut, wird wahrscheinlich nicht unbedingt der sein, bei dem ich spontan denke:

„Wow.“

Vielleicht ist er zuverlässig.

Intelligent.

Stabil.

Liebevoll.

Emotional verfügbar.

Und vermutlich ungefähr so aufregend wie eine gut organisierte Steuererklärung.

Das war überspitzt.

Aber die Grundidee war da:

Vielleicht muss ich mich entscheiden.

Zwischen Anziehung und Sicherheit.

Zwischen Abenteuer und Stabilität.

Zwischen einem Mann, der mich elektrisiert, und einem, bei dem ich ruhig schlafen kann.

Und dann passierte etwas ziemlich Banales.

Ich bekam ein Bild von dem Mann, den ich mir eigentlich wünschen würde.

Und ich dachte:

„Ähm. Der sieht ja verdammt gut aus.“

Das war überraschend.

Nicht weil ich oberflächlich bin.

 

Sondern weil ich offenbar selbst nicht verstanden hatte, wie sehr ich meine eigenen Ansprüche geteilt hatte.

Warum eigentlich?

Warum sollte ein Mensch, der uns guttut, automatisch weniger attraktiv sein?

Warum erzählen wir uns so gerne diese Geschichte?

„Er ist zwar nicht mein Typ, aber dafür behandelt er mich gut.“

Ich möchte an dieser Stelle nur kurz anmerken:

Wir würden das bei einem Sofa niemals sagen.

„Es ist zwar hässlich, aber man sitzt wirklich hervorragend.“

Na wunderbar.

Dann sitzt Du eben hervorragend.

Aber Du musst es trotzdem jeden Tag anschauen.

Und natürlich ist das ein absurdes Beispiel.

Aber es zeigt etwas:

Wir behandeln emotionale Kompatibilität und körperliche Anziehung oft wie zwei gegensätzliche Angebote.

Warum?

 

Vielleicht liegt darin auch eine alte Vorstellung davon, was Liebe leisten muss.

Wir glauben, wir müssten uns entscheiden.

Vielleicht müssen wir das nicht.

Vielleicht darf ein Mann gleichzeitig stabil und aufregend sein.

Warm und eigenständig.

Attraktiv und emotional erwachsen.

Humorvoll und zuverlässig.

Vielleicht darf er eine eigene Meinung haben.

Vielleicht soll er sogar eine haben.

Denn ein Gegenüber ist ja gerade deshalb interessant, weil es nicht wir selbst ist.

 

Ich hatte sogar schon einmal einen Mann in meinem Leben, der diesem Bild erstaunlich nahekam.

Er war attraktiv.

Andere Frauen fanden ihn ausgesprochen interessant.

Er war jemand, bei dem Menschen durchaus bemerkten, wenn er einen Raum betrat.

Und ich?

Ich hatte ihn zunächst nicht als den Mann eingeordnet, mit dem ich einmal zusammen sein würde.

Und dann geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte:

Er wollte mich.

Nicht theoretisch.

Nicht vielleicht.

Nicht als Projekt.

Er gab sich Mühe.

Und wir kamen zusammen.

Und vieles daran war richtig, richtig gut.

Das Problem war nicht seine Attraktivität.

Das Problem war die Baustelle.

Und ich habe sie unterschätzt.

Ich dachte irgendwann:

Das wird sich schon reparieren.

Und genau dort lag mein Fehler.

Nicht darin, dass ich ihn attraktiv fand.

Nicht darin, dass ich mich auf ihn eingelassen hatte.

Sondern darin, dass ich irgendwann die Realität gegen das Potenzial eingetauscht hatte.

 

 

Heute würde ich deshalb zwei Dinge gleichzeitig verlangen:

Ich möchte ihn wollen.

Und:

Ich möchte mit ihm gut leben können.

Nicht entweder.

Beides.

Denn warum sollte Liebe ein Kompromiss zwischen Herz und Verstand sein?

Vielleicht ist das sogar eine der schönsten Formen von Erwachsensein:

Nicht mehr zwischen zwei Extremen wählen zu müssen.

Nicht mehr:

„Der macht mich wahnsinnig, aber wenigstens ist es aufregend.“

Und auch nicht:

„Der ist wunderbar, aber ich muss mich an den Rest gewöhnen.“

Sondern:

„Der Mensch gefällt mir. Und das Leben mit ihm gefällt mir auch.“

Das ist kein Märchen.

 

Das ist eine ziemlich vernünftige Anforderung.

Ich bin Regine Rauin alias Mystic Maveress.

Ich lese Räume wie andere Menschen Tarotkarten lesen.

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