Vielleicht nicht dort, wo man nach ihnen sucht
Von Regine Rauin | Wenn Räume Geschichten erzählen
Ich habe vor kurzem etwas ziemlich Seltsames gemacht.
Ich bin auf eine Veranstaltung gegangen, weil ich möglicherweise einen Mann kennenlernen wollte.
Und dann habe ich den Mann komplett vergessen.
Was vermutlich ein hervorragender Anfang war.
Denn normalerweise läuft Partnersuche ja ungefähr so:
„Ist er da?“
Nein.
„Und da?“
Nein.
„Was ist mit dem da hinten?“
Interessant.
„Hat er mich gesehen?“
Keine Ahnung.
„Warum steht er jetzt dort?“
Keine Ahnung.
„Vielleicht sollte ich …“
Stopp.
Ich war auf einem Sommerfest.
Und zwar nicht auf einem Sommerfest, weil dort theoretisch Männer herumstehen könnten.
Sondern weil ich dort tatsächlich hinwollte.
Es gab Kunst.
Musik.
Essen.
Getränke.
Eine Ausstellung.
Menschen.
Und später sogar eine Travestie-Show.
Es war laut, bunt, lebendig und ziemlich wunderbar.
Und irgendwann stellte ich fest:
Ich hatte völlig vergessen, dass ich eigentlich auf der Suche war.
Das war neu.
Denn genau darum ging es bei meiner vorherigen Erkenntnis:
Ich möchte nicht irgendwo hingehen, um einen Mann zu finden.
Ich möchte irgendwo hingehen, weil ich dort ich selbst sein möchte.
Das klingt wie ein kleiner philosophischer Unterschied.
In der Realität verändert es alles.
Denn wenn ich einen Menschen suche, bewege ich mich anders durch einen Raum.
Ich beobachte.
Bewerte.
Vergleiche.
Hoffe.
Enttäusche mich.
Interpretiere.
Wenn ich dagegen irgendwo bin, weil ich mich dort wohlfühle, passiert etwas völlig anderes:
Ich bin beschäftigt damit, mein Leben zu leben.
Und plötzlich können Menschen darin auftauchen.
An diesem Abend saß ich irgendwann bei einem Künstler und formte ein Herz aus Luftballons.
Natürlich ein Herz.
Das Universum hat manchmal wirklich wenig subtile Methoden.
Ich wollte bestimmte Farben.
Die gab es nicht.
Die Konsistenz der Ballons war offenbar gegen meine künstlerische Vision.
Also bekam ich andere Farben.
Ich war mit dem Ergebnis zufrieden.
Nicht mit den Farben.
Aber mit dem Herz.
Und vielleicht war das sogar eine ganz gute Metapher:
Manchmal funktioniert das Leben nicht in den Farben, die wir bestellt haben.
Es funktioniert trotzdem.
Später schrieb mir plötzlich eine Bekannte, die ich jahrelang nicht gesehen hatte:
„Ach Regine, Du bist auch hier?“
Wir waren aneinander vorbeigelaufen, ohne uns zu bemerken.
Dann standen wir plötzlich in einem anderen Teil der Ausstellung voreinander.
Und wir redeten.
Und lachten.
Und feierten unser Wiedersehen.
Ich war nicht dorthin gegangen, um sie zu treffen.
Ich wusste nicht einmal, dass sie dort sein würde.
Aber genau das ist der Punkt.
Wenn wir unser Leben nur auf das ausrichten, was wir suchen, verpassen wir möglicherweise alles, was nicht auf unserer Suchliste steht.
Das gilt auch für Menschen.
Vielleicht ist die Frage deshalb nicht:
„Wo sind die passenden Männer?“
Vielleicht ist die bessere Frage:
„Wo bin ich eigentlich am liebsten?“
Denn dort findet man zunächst einmal sich selbst.
Und möglicherweise auch Menschen, die etwas mit dieser Welt anfangen können.
Nicht zwangsläufig den Partner.
Aber Menschen.
Gespräche.
Ideen.
Zufälle.
Verbindungen.
Und manchmal entsteht aus all dem etwas, das man nicht hätte planen können.
Wir glauben beim Dating oft, wir müssten die richtige Person finden.
Vielleicht müssen wir zuerst den richtigen Lebensraum finden.
Nicht geografisch.
Sondern menschlich.
Die richtigen Räume.
Die richtigen Themen.
Die richtigen Interessen.
Die richtigen Menschen.
Die richtige Art von Leben.
Denn wenn Du Dein Leben so einrichtest, dass Du Dich darin wohlfühlst, passiert etwas Entscheidendes:
Du musst nicht mehr aus Deinem Leben aussteigen, um jemanden kennenzulernen.
Du kannst jemanden in Dein Leben hineinlassen.
Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Und vielleicht ist das die entspannteste Form von Dating überhaupt.
Ich bin Regine Rauin alias Mystic Maveress.
Ich lese Räume wie andere Menschen Tarotkarten lesen.
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