Warum ich heute lieber ein fertiges Haus nehme
Von Regine Rauin | Wenn Räume Geschichten erzählen
Ich glaube, wir sollten über Potenzial reden.
Potenzial ist eine wunderbare Sache.
Ein altes Haus hat Potenzial.
Ein leerer Raum hat Potenzial.
Ein Stück Land hat Potenzial.
Ein Kunstwerk kann Potenzial haben.
Aber ein Mensch?
Natürlich hat auch ein Mensch Potenzial.
Nur möchte ich heute eine ziemlich entscheidende Unterscheidung machen:
Potenzial ist nicht dasselbe wie Eignung.
Ein Haus kann ein fantastisches Sanierungsobjekt sein.
Es kann eine großartige Lage haben.
Hohe Decken.
Wunderschöne Fenster.
Eine Geschichte.
Und trotzdem kann es sein, dass Du dort nicht wohnen möchtest.
Weil die Heizung fehlt.
Das Dach undicht ist.
Die Elektrik aus dem Jahr 1954 stammt.
Und Du nach sechs Monaten Renovierung plötzlich feststellst:
Ich wollte eigentlich gar kein Renovierungsprojekt.
Ich wollte ein Zuhause.
Das ist die Erkenntnis, die ich für mich aus dieser ganzen Geschichte mitgenommen habe.
Ich möchte keinen Mann, bei dem ich begeistert ausrechne, was alles möglich wäre.
Ich möchte einen Mann, bei dem ich mich frage:
„Wie schön könnte unser gemeinsames Leben werden, wenn wir beide einfach wir selbst bleiben?“
Das ist etwas völlig anderes.
Denn dann muss ich ihn nicht verändern.
Und er muss mich nicht verändern.
Wir bringen beide etwas mit.
Unsere Geschichte.
Unsere Eigenheiten.
Unsere Freunde.
Unsere Macken.
Unsere Lieblingsmusik.
Unsere unterschiedlichen Meinungen.
Unsere eigenen Leben.
Und dann schauen wir:
Passt das zusammen?
Nicht perfekt.
Aber lebendig.
Vielleicht ist das überhaupt der Punkt.
Ein fertiges Haus bedeutet nicht, dass nichts mehr zu tun ist.
Natürlich wird irgendwann etwas kaputtgehen.
Natürlich wird gestrichen.
Natürlich wird es Diskussionen geben.
Natürlich wird irgendwo eine Tür klemmen.
Das Leben ist kein Neubaugebiet.
Aber die Grundstruktur sollte stimmen.
Die Heizung funktioniert.
Das Dach ist dicht.
Die Elektrik macht keine interessanten Geräusche.
Und es gibt irgendwo einen Platz, an dem Du Dich hinsetzen kannst.
Vielleicht sogar einen, der für Dich gedacht ist.
Und wenn ich nach Hause komme, möchte ich nicht denken:
„Was könnte hier einmal werden?“
Ich möchte denken:
„Scheiße, ist das schön hier.“
Vielleicht ist das auch die eigentliche Lektion beim Dating:
Du musst nicht lernen, Menschen besser zu reparieren.
Du musst lernen, Menschen besser zu erkennen.
Nicht ihre Möglichkeiten.
Ihre Realität.
Nicht ihre Zukunft.
Ihre Gegenwart.
Nicht das, was sie sein könnten.
Sondern das, was sie heute mitbringen.
Und dann darfst Du entscheiden.
Nicht aus Angst.
Nicht aus Mangel.
Nicht aus der Hoffnung, dass jemand Dich irgendwann endlich so behandelt, wie Du es brauchst.
Sondern aus einer ziemlich einfachen Frage:
„Fühlt sich das Leben, das mit diesem Menschen möglich ist, nach meinem Leben an?“
Wenn die Antwort Ja ist, wird es interessant.
Wenn die Antwort Nein ist, muss niemand böse sein.
Dann ist das Haus vielleicht wunderbar.
Nur eben nicht Deins.
Und vielleicht ist das die schönste Erkenntnis von allen:
Du musst nicht mehr nach jemandem suchen, den Du lieben kannst.
Davon gibt es vermutlich reichlich.
Du darfst nach jemandem suchen, mit dem Du leben möchtest.
Und das ist eine ganz andere Kategorie.
Denn Liebe kann Dich auf eine Baustelle führen.
Aber Du musst dort nicht wohnen bleiben.
Du darfst irgendwann den Staub von den Schuhen klopfen, die Tür hinter Dir schließen und sagen:
„Sehr interessant. Aber ich hätte dann doch lieber ein fertiges Haus.“
Und dann gehst Du nach Hause.
Dorthin, wo bereits jemand auf Dich wartet.k
Mit einer funktionierenden Heizung.
Und hoffentlich etwas Leckerem auf dem Herd.
Das wäre doch mal ein Happy End. 🥰🗝️
Ich bin Regine Rauin alias Mystic Maveress.
Ich lese Räume wie andere Menschen Tarotkarten lesen.
→ WOHNUNGsREADING: Was Dein Zuhause wirklich über Dich erzählt
🗝️ Denn viele Antworten wohnen bereits bei Dir.



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2/6_ICH SUCHTE DEN FALSCHEN MANN.
3/6_WO FINDET MAN EIGENTLICH MENSCHEN, DIE ZU EINEM PASSEN?