Dabei hätte ich mich fragen müssen, welches Leben ich mit ihm führen möchte
Von Regine Rauin | Wenn Räume Geschichten erzählen
Die klassische Datingfrage lautet:
„Wie soll mein Traummann sein?“
Groß?
Intelligent?
Humorvoll?
Treue?
Unternehmungslustig?
Emotional verfügbar?
Vielleicht mit Bart.
Oder ohne.
Vielleicht bitte mit ordentlich Haaren, weil man irgendwann auch mal vernünftig sein darf.
Wir machen Listen.
Wir schreiben Eigenschaften auf.
Wir überlegen, welche Charakterzüge jemand haben sollte.
Und dann gehen wir los und suchen diesen Menschen.
Ich glaube inzwischen, dass das die falsche Reihenfolge ist.
Denn die entscheidende Frage ist nicht:
„Wer soll er sein?“
Sondern:
„Wie möchte ich eigentlich leben?“
Das klingt zunächst nach einem kleinen Unterschied.
Ist aber ein ziemlich großer.
Denn sobald ich frage, wie ich leben möchte, verschiebt sich mein Fokus.
Dann denke ich nicht mehr nur über Eigenschaften nach.
Dann denke ich über einen Alltag nach.
Ich möchte morgens neben einem Menschen aufwachen, der nicht bereits emotional auf der Flucht ist.
Ich möchte jemanden, mit dem ich spontan sagen kann:
„Komm, wir fahren irgendwohin.“
Und der nicht drei Wochen Excel braucht, um darüber nachzudenken.
Ich möchte jemanden, der mich nicht für meine Begeisterung für seltsame Häuser, Kunst, Reisen oder völlig unnötige Abenteuer für leicht verrückt hält.
Im Gegenteil.
Idealerweise findet er das ziemlich gut.
Ich möchte jemanden, der selbst Dinge entdecken will.
Der kochen kann.
Der mit mir in ein fremdes Haus geht und nicht fragt:
„Warum machen wir das?“
Sondern:
„Was ist das für ein abgefahrener Ort?“
Ich möchte jemanden, mit dem ich gemeinsam etwas erleben kann.
Nicht jemanden, den ich beschäftigen muss.
Nicht jemanden, den ich überzeugen muss.
Nicht jemanden, den ich aus seinem Leben herausziehen muss, damit wir überhaupt ein gemeinsames haben.
Und plötzlich wird die Partnersuche sehr viel konkreter.
Denn jetzt suche ich nicht mehr nach einem Mann mit zwölf Eigenschaften.
Ich suche nach einem Menschen, dessen Lebensentwurf mit meinem kompatibel ist.
Das ist etwas völlig anderes.
Denn ein Mann kann wunderbar sein.
Und trotzdem nicht zu meinem Leben passen.
Er kann intelligent sein.
Loyal.
Attraktiv.
Humorvoll.
Und trotzdem möchte er vielleicht am liebsten jeden Samstag auf dem Sofa sitzen und Fußball schauen, während ich irgendwo eine verlassene Villa besichtige.
Kein Mensch hat deshalb etwas falsch gemacht.
Wir haben nur unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sich ein gutes Leben anfühlt.
Das ist keine Red Flag.
Das ist Architektur.
Der Grundriss passt einfach nicht.
Und manchmal ist das viel befreiender, als jemanden zum Problem zu erklären.
Ich glaube, wir machen beim Dating oft etwas Seltsames:
Wir suchen einen Menschen und hoffen anschließend, dass das Leben irgendwie dazu passt.
Vielleicht sollten wir es umdrehen.
Erst das Leben. Dann der Mensch.
Welche Menschen möchte ich kennenlernen?
Welche Gespräche möchte ich führen?
Welche Dinge möchte ich ausprobieren?
Welche Orte möchte ich besuchen?
Wie möchte ich meine Abende verbringen?
Wie viel Nähe brauche ich?
Wie viel Freiheit?
Wie viel Abenteuer?
Wie viel Ruhe?
Und dann kommt die vielleicht wichtigste Frage:
Wer müsste ein Mensch sein, damit dieses Leben mit ihm nicht kleiner, sondern größer wird?
Das ist für mich heute eine völlig andere Art von Dating.
Nicht:
„Ist er gut genug?“
Sondern:
„Passt dieses Leben zu uns beiden?“
Und plötzlich entsteht etwas sehr Entspannendes:
Ich muss niemanden mehr überzeugen.
Ich muss niemanden retten.
Ich muss niemanden von meinem Lebensentwurf überzeugen.
Ich muss auch niemanden in meine Vision hineinrenovieren.
Ich kann einfach schauen.
Und wenn jemand auftaucht, bei dem ich denke:
„Oh. Mit dir könnte das interessant werden.“
Dann darf ich neugierig sein.
Nicht mehr.
Aber auch nicht weniger.
Denn vielleicht ist das Ziel gar nicht, den perfekten Menschen zu finden.
Vielleicht geht es darum, ein Leben zu bauen, in dem ein passender Mensch überhaupt Platz hat.
Und damit sind wir bei einer ziemlich spannenden Frage:
Wo hält man sich eigentlich auf, wenn man genau dieses Leben führen möchte?
Ich bin Regine Rauin alias Mystic Maveress.
Ich lese Räume wie andere Menschen Tarotkarten lesen.
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1/6_MÄNNER SIND KEINE BAUSTELLEN.
6/6_POTENZIAL IST KEIN PARTNER.