Manche Häuser lassen ihre Menschen nicht besonders gerne gehen. Meines zum Beispiel...
Von Regine Rauin | Wenn Räume Geschichten erzählen
Ich kenne das Gefühl, nach Hause zu kommen und sich zu freuen.
Der eigene Schlüssel.
Das eigene Bett.
Die Kaffeemaschine, die wenigstens weiß, wie man den Kaffee haben möchte.
Die Dusche, bei der man nicht erst herausfinden muss, ob der Hahn links oder rechts auf „Sch💩ist das heiß“ steht.
Zu Hause ist schön.
Eigentlich.
Aber es gibt auch diese andere Variante:
Du kommst aus dem Urlaub zurück, stellst den Koffer ab, atmest einmal tief durch und denkst:
„War schon schön, dort.“
Nicht weil zu Hause alles schlecht wäre. Sondern weil Du im Urlaub plötzlich wieder jemand warst, den Du zu Hause ein bisschen verloren hattest.
Du hast länger gefrühstückt.
Du bist morgens einfach losgegangen.
Du hast Dinge angeschaut, für die Du im Alltag keine Zeit hast.
Du hast vielleicht mehr gelacht.
Mehr geredet.
Weniger erledigt.
Du hast Dich irgendwann dabei ertappt, dass Du denkst:
„Eigentlich könnte mein Leben auch anders aussehen.“
Und dann kommst Du nach Hause.
Der Koffer wird ausgepackt.
Die Waschmaschine läuft.
Die Mails warten.
Der Schreibtisch sieht Dich vorwurfsvoll an.
Auf dem Tisch liegt noch genau das, was Du schon vor dem Urlaub nicht öffnen wolltest...
Innerhalb kürzester Zeit bist Du wieder in Deinem alten Film.
Vielleicht war der Urlaub gar nicht die Ausnahme.
Vielleicht war er der Hinweis.
Das finde ich inzwischen viel spannender.
Denn wir reden nach dem Urlaub oft darüber, dass wir wieder in unsere alten Muster fallen. Als wäre das eine persönliche Schwäche. Als hätten wir es im Urlaub endlich geschafft, unser „wahres Ich“ zu finden, und dann kommt zu Hause die Realität und nimmt es uns wieder weg.
Ich glaube, so einfach ist es nicht.
Unsere Umgebung hat einen ziemlich großen Einfluss darauf, welche Version von uns gerade auftritt.
Nicht im Sinne von:
„Das blaue Sofa verursacht Deine Bindungsangst.“
Keine Sorge.
Ich möchte mein Sofa nicht vor Gericht sehen.
Aber Räume sind Gewohnheitsmaschinen.
Du sitzt dort, wo Du immer sitzt.
Du arbeitest dort, wo Du immer arbeitest.
Du legst Dinge dort ab, wo Du sie immer ablegst.
Du gehst an der Ecke vorbei, die Dich schon seit drei Jahren nervt.
Du öffnest den Schrank nicht, weil Du längst weißt, dass Du darin eigentlich etwas entscheiden müsstest.
Und irgendwann wird aus all diesen kleinen Entscheidungen ein ziemlich stabiles System.
Dein Zuhause hält Dein Leben zusammen.
Aber manchmal hält es auch Dinge fest, die längst nicht mehr zu Deinem Leben gehören.
Mein Haus musste das übrigens auch lernen.
Mein Haus ist nämlich ausgesprochen gut darin, mich festzuhalten.
Nicht metaphorisch.
Na gut - auch.
Aber ganz praktisch.
Es gibt immer etwas zu tun.
Irgendetwas ist immer interessant.
Irgendetwas möchte repariert, verändert, gestrichen, angeschaut, gerettet, umgestellt oder zumindest einmal sehr lange betrachtet werden.
Mein Haus kann einen erstaunlich überzeugenden Grund dafür liefern, warum ich genau jetzt auf gar keinen Fall wegfahren sollte.
Wir mussten das üben.
Ich musste lernen zu gehen.
Und mein Haus musste lernen, mich gehen zu lassen.
Mittlerweile klappt es besser.
Und genau das finde ich so faszinierend:
Die Wohnung ist nicht statisch.
Sie verändert sich mit uns.
Wenn wir anfangen, anders zu leben, verändert sich unser Zuhause.
Und manchmal funktioniert es auch in die andere Richtung:
Wenn wir anfangen, unser Zuhause anders zu betrachten, merken wir plötzlich, wo wir selbst geradezu gefangen sind.
Was fehlt Dir zu Hause, das Du im Urlaub hattest?
Das ist vielleicht die interessantere Frage als:
„Warum bin ich nach dem Urlaub schon wieder so gestresst?“
War es die Ruhe?
Die Bewegung?
Die Tatsache, dass niemand etwas von Dir wollte?
Das lange Sitzen beim Frühstück?
Das Meer?
Das Licht?
Die Tatsache, dass Du plötzlich nicht ständig erreichbar warst?
Oder war es etwas viel Banaleres?
Vielleicht hast Du im Urlaub jeden Abend draußen gegessen.
Vielleicht hast Du viel gelesen.
Vielleicht bist Du jeden Morgen eine Stunde spazieren gegangen.
Vielleicht hast Du Dein Handy kaum benutzt.
Vielleicht hattest Du endlich wieder Zeit für Gespräche.
Vielleicht hast Du einfach einmal nichts optimiert.
Und jetzt kommt der interessante Teil:
Was davon kannst Du mit nach Hause nehmen?
Nicht den Strand.
Nicht das italienische Restaurant um die Ecke.
Nicht unbedingt die Aussicht.
Sondern das, was Du dort anders gemacht hast.
Deine Wohnung kann Dir dabei helfen.
Denn meist musst Du gar nicht Dein ganzes Leben umkrempeln.
Vielleicht musst Du nur einmal durch Deine Wohnung gehen und Dich fragen:
Wo ist das, was mir im Urlaub so gutgetan hat, eigentlich geblieben?
Wo ist der Platz zum Lesen?
Wo ist der Platz zum Nichtstun?
Wo ist der Tisch, an dem niemand arbeitet?
Wo ist die Ecke, an der Du gerne sitzt?
Wo ist das, was Dich morgens neugierig macht?
Und wo ist stattdessen überall das, was Dich an Pflichten erinnert?
Laptop.
Wäsche.
Unterlagen.
Einkäufe.
Erledigungen.
Unfertiges.
Vergangenes.
Vielleicht ist Deine Wohnung voller Dinge, die Dir sagen:
„Du musst noch.“
Und erstaunlich leer von Dingen, die Dir sagen:
„Du darfst.“
Das ist keine Dekorationsfrage.
Das ist eine Lebensfrage.
Und genau hier beginnt für mich das WohnungsReading.
Ich schaue nicht in eine Wohnung und sage:
„Dieses Möbelstück bedeutet X.“
So funktioniert es nicht.
Mich interessiert die Geschichte dahinter.
Warum steht es dort?
Warum ist es noch da?
Warum benutzt Du diesen Raum so und nicht anders?
Was fällt Dir sofort ins Auge - und was möchtest Du lieber nicht sehen?
Und manchmal liegt die interessanteste Antwort nicht in dem, was jemand besonders schön eingerichtet hat. Sondern in dem, was seit Jahren nicht verändert wurde.
In dem Raum, den niemand benutzt.
In der Kiste, die immer noch auf dem Schrank steht.
In dem Sessel, der längst unbequem ist und trotzdem jeden Abend besetzt wird.
Oder in der Tatsache, dass jemand nach einem wunderschönen Urlaub nach Hause kommt und bereits am zweiten Tag wieder davon träumt, wegzufahren.
Die Wohnung ist dabei nicht die Schuldige.
Sie ist der Hinweis.
Du musst mir das übrigens nicht glauben.
Das ist das Schöne.
Du kannst es selbst ausprobieren.
Wenn Du gerade aus dem Urlaub kommst, geh nicht einfach durch Deine Wohnung und überlege, was Du alles verändern müsstest.
Geh einmal anders herum.
Frag Dich:
„Was war im Urlaub so gut, dass ich es vermisse?“
Und dann geh durch Deine Wohnung.
Nicht mit dem Blick einer Innenarchitektin.
Nicht mit dem Blick eines Aufräumprofis.
Sondern mit dem Blick eines Menschen, der gerade etwas über sich herausfinden möchte.
Vielleicht findest Du eine Antwort.
Vielleicht findest Du eine ziemlich große Frage.
Vielleicht findest Du auch nur den Karton, den Du seit 2022 mit Dir herumträgst.
Auch das wäre schon ein Anfang.
Und wenn Du wissen möchtest, was ich mit „Wohnung lesen“ eigentlich meine …
Dann habe ich zwei Möglichkeiten für Dich.
WHISPERING WALLS ist mein Einstieg für alle, die erst einmal selbst ausprobieren möchten, was passiert, wenn man die eigene Wohnung mit anderen Augen betrachtet.
27 Euro.
Du hörst es, wann Du möchtest.
Und danach gehst Du vielleicht tatsächlich einmal durch Deine eigenen Räume und hörst ein bisschen genauer hin.
Du musst mir nicht glauben. Probier es selbst aus.
Und wenn Du bereits eine ganz konkrete Frage hast, gibt es 27SECONDS.
Du zeigst mir einen kleinen Ausschnitt aus Deinem Zuhause und stellst mir Deine Frage.
Warum fühle ich mich hier nicht wohl?
Warum kann ich mich davon nicht trennen?
Warum möchte ich ständig weg?
Warum fühlt sich diese Wohnung nicht mehr nach mir an?
Warum ist genau diese Ecke so schwierig?
Dann schaue ich hin.
Persönlich.
Auf Deine Frage.
Auf Deinen Raum.
Auf das, was darin vielleicht längst sichtbar ist.
Vielleicht ist das Schönste am Nachhausekommen deshalb nicht, wieder alles so zu machen wie vorher.
Vielleicht ist es die Gelegenheit zu entdecken:
Was möchte ich aus dem Urlaub eigentlich mit nach Hause nehmen?
Nicht im Koffer.
Sondern in mein Leben.
Denn vielleicht warst Du im Urlaub gar nicht plötzlich ein anderer Mensch.
Vielleicht hattest Du dort einfach mehr Platz, die Seiten von Dir zu leben, die zu Hause deutlich zu kurz kommen...
Was würde Deine Wohnung Dir sagen, wenn Du endlich zuhören würdest?
Wer bin ich eigentlich - und wenn ja wie viele?
Ich bin Regine Rauin alias Mystic Maveress.
Ich lese Räume wie andere Menschen Tarotkarten lesen.
→ WOHNUNGsREADING: Was Dein Zuhause wirklich über Dich erzählt
🗝️ Denn viele Antworten wohnen bereits bei Dir.



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